Profil Tierisch gut?

„Weg von der Massentierhaltung, weg vom Billigfleisch“

Marie Curry ist die Sängerin der Hamburger Band Neonschwarz. Mit „Fliegende Fische“ erschien gerade das Debütalbum der Band, auf dem Songs mit politischen Themen und Partytracks gleichberechtigt nebeneinanderstehen und gute Laune erzeugen. Die ACHT traf sich mit Marie Curry und sprach mit ihr über Veganismus, Zoobesuche und über ihr Verhältnis zu den Tieren.

Interview: Jan Kahl
Foto: Till Gläser

ACHT: Wie würdest du dein Verhältnis zu Tieren beschreiben?
Marie Curry: Also im Moment hab ich – sieht man mal von unserem Albumtitel „Fliegende Fische“ ab – nicht viel Kontakt mit Tieren. Ich habe auch kein Haustier oder so. Bis ich acht Jahre alt war, wuchs ich allerdings in sehr dörflichen Verhältnissen auf, und da war alles voll mit Tieren. Sowohl Haustiere als auch Tiere in der Natur. Und es fasziniert mich bis heute, was es für unterschiedliche Arten und Mechanismen in der Tierwelt gibt, von denen zum Teil noch gar nicht alle genau erforscht sind.

Was für Tiere hattet ihr zu Hause?
Alle möglichen: Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Küken … Ganz am Anfang hatten wir auch noch Schafe, die mussten nach Tschernobyl aber geschlachtet werden.

Welchen Einfluss, glaubst du, hatte es auf dich, dass du mit Tieren groß geworden bist?
Na ja, in erster Linie prägen Tiere schon ein gewisses Verantwortungsgefühl: dieses Sichkümmern, das Füttern, die Pflege … Gleichzeitig erinnere ich mich aber auch an unzählige Dramen und Schicksalsschläge aus dieser Zeit. Vor allem die Küken haben mich als kleines Kind sehr fasziniert. Eines Tages waren dann nur noch ein paar Federn von ihnen übrig – ein Hühnerhabicht hatte sie in der Nacht getötet. Das lässt einen emotional natürlich nicht kalt und ging mir schon sehr nah.

Klar, dann lass uns schnell wieder über was anderes reden. Ganz klassische Frage: Hund oder Katze?
Katze. Glaub ich.

Auf deiner Facebook-Seite hab ich Bilder gesehen, wie ihr mit Neonschwarz bei Circus Halligalli auf Pro7 wart und auf denen du dich hervorragend mit dem Hund von Bill Kaulitz von Tokio Hotel verstanden hast.
Der war auch sehr lustig. Bei Hunden störe ich mich manchmal an diesem Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen, dieser Gehorsamkeit. Katzen sind da gleichgültiger. Die scheißen mehr auf vieles. (lacht)

Gibt es ein Tier, das es dir besonders angetan hat?
Mhhh, schwer zu sagen. Am meisten faszinieren mich eigentlich diese ganzen Kuriositäten aus der Tierwelt. Es gibt zum Beispiel eine Ameise, die so kleine Geschosse abfeuern kann, um Feinde abzuwehren. Pfauen finde ich auch ganz faszinierend – wenn die ihr wie aus der Fantasie entsprungenes Federkleid aufspannen. Bei uns im Gartenteich hatten wir außerdem Libellenlarven, die irgendwann ihre Hülle verließen, und diese Hülle – Exuvie heißt die – sah aus wie Aliens. Vollkommen verrückt.

Gegenfrage: Gibt es ein Tier, mit dem du gar nicht klarkommst oder das dir vielleicht sogar Angst einflößt?
Direkt Angst würde ich nicht sagen. Natürlich macht es Sinn, wenn man Respekt vor gewissen Tieren hat, aber die findet man bei uns in der Regel ja eher seltener. Außerdem sind die wenigsten Tiere von sich aus aggressiv. Das kommt häufig erst, wenn sie bedroht werden.

Keine Angst vor Spinnen oder Schlangen?
Stimmt, da fällt mir ein: Nach dem Abi war ich für einige Zeit in Australien und Neuseeland, das fand ich schon krass. Da hab ich erst gemerkt, wie naiv man manchmal im Umgang mit Tieren ist, wenn man in Deutschland aufwächst, wo es im Alltag nun mal kaum gefährliche Tiere gibt. In Australien hast du aber schnell irgendwelche megatödlichen Spinnen oder Schlangen oder Krokodile. Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals auf eine Lagune gestoßen bin. Auf der anderen Seite war ein total schöner Strand und ich hab kurz überlegt, ob ich meine Sachen einfach liegen lassen und rüberschwimmen soll. Ich bin dann aber doch außen rum gelaufen, und als ich drüben ankam, hab ich erst das Schild gesehen, auf dem stand: Achtung, Krokodile!

Gute Entscheidung. Kommen wir mal zu dem Titel eures neuen Albums: „Fliegende Fische“. Was hat es damit auf sich?
Auch sehr faszinierende Tiere. (grinst) An fliegenden Fischen fanden wir beeindruckend, dass sie in verschiedenen Elementen unterwegs sind: also auf der einen Seite unter Wasser leben, gleichzeitig aber auch in der Lage sind, immer mal wieder an die Oberfläche zu kommen und zu fliegen – das dann aber auch nur für kurze Zeit. Das hat ein bisschen was Tragisches, weil sie immer wieder versuchen auszubrechen, ihren Lebensumständen aber nie wirklich entkommen. Das passt symbolhaft sehr gut zum Album, weil es sich einerseits ganz viel mit Utopien und Träumen, andererseits aber auch viel mit der Realität und dem Leben in der Welt beschäftigt.

Wie stehst du zu „Hagenbecks Tierpark“? Manche kritisieren derartige Einrichtungen, weil die Tiere auf relativ engem Raum gehalten werden.
Schwieriges Thema, zu dem ich ein bisschen ein gespaltenes Verhältnis habe. Viele Tiere würden, glaub ich, gar nicht überleben, wenn es Einrichtungen wie „Hagenbecks Tierpark“ nicht geben würde. Wenngleich der erste Schritt natürlich sein sollte, den Lebensraum der Tiere so gut wie möglich zu erhalten, dass es gar nicht so weit kommen kann. Für Kinder ist das natürlich toll, keine Frage, auch um mal zu gucken, was es überhaupt alles für Tierarten gibt. Inwieweit das Grund genug sein kann, Tiere einzusperren und sie ihres natürlichen Lebensraums zu berauben, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

Letzte Frage: Der Veganismus erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Beschäftigst du dich mit dem Thema?
Absolut, endlich mal ein sinnvoller Trend. Ich hab das Gefühl, dass dem auch immer mehr Tribut gezollt wird und es immer leichter für Veganer wird, vegane Produkte zu kaufen. Grundsätzlich finde ich es einfach gut, wenn man sich aktiv damit beschäftigt, was man so jeden Tag zu sich nimmt. Es ist ja bekannt, dass der jetzige Fleischkonsum überhaupt nicht nachhaltig ist, da muss sich auf jeden Fall was tun: weg von der Massentierhaltung, weg vom Billigfleisch. Das ist total pervers.

 

Neonschwarz_CD

NEONSCHWARZ
ist das gemeinsame Projekt von Marie Curry, Johnny Mauser, DJ Spion Y und Captain Gips – alle für sich talentierte Artists, Rapper, DJs und Sprüher, vereinen sie in ihrer Musik die geballte Hip-Hop-Geschichte. Zwischen Spraydosen und Schablonen in einer Studenten-WG auf St. Pauli wurde die Band geboren. Die eigentlichen Wurzeln liegen jedoch tief in den Sümpfen alter friesischer Hip-Hop-Seilschaften und kleinkrimineller Kiffercliquen. Seitdem trennen sich die vier nur noch, wenn einer Cuba Libre holt.
www.neonschwarz-music.com

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