Tierisch gut?

„Pass auf, Bauchredner!“

Er ist einer der berühmtesten Puppenspieler am deutschen Comedyhimmel: Sascha Grammel ist der Vater vieler Puppen, die er als Bauchredner zum Sprechen bringt. In einem gemeinsamen Interview mit seinen Puppen, der Schildkröte Josie und dem „Adlerfasan“ Frederic Freiherr von Furchensumpf, sinniert er über die Frage „Wer ist nun eigentlich der Boss: Tier oder Mensch?“.

Interview: Maike Dugaro
Foto: Patrick Wamsganz

Sascha Grammel kommt eigentlich nie zu Wort. Als Bauchredner lässt der 41-Jährige vor allem die Puppen sprechen. Zu den bekanntesten gehören der Adlerfasan Frederic von Furchensumpf und die Schildkröte Josie, die als Teilzeit-Geldautomat arbeitet. Im Interview mit ACHT darf der Bambi-Preisträger selbst reden und erzählt von der kindlichen Sehnsucht nach Haustieren, was er von seinen Figuren gelernt hat und wie sie sich zum ersten Mal begegneten. Und manchmal wird er von Josie und Frederic unterbrochen.

 

ACHT: Für Ihre Auftritte als Bauchredner haben Sie Puppen erwählt, die ganz besondere Tiere sind. Sprechen Sie lieber mit Tieren als mit Menschen?
Sascha Grammel: Wenn man mal ganz ehrlich ist, spreche ich auf der Bühne ja eigentlich die ganze Zeit mit mir selbst. Aber sagen Sie’s niemandem. Das soll ein Geheimnis bleiben. Und mich selbst würde ich hier doch ungern als Tier bezeichnen. Obwohl meine Frisur ja laut Frederic etwas von einem Meerschweinchen hat.

Sind Tiere die besseren Handpuppen?
Grammel: Natürlich stehen Tiere oft für bestimmte Charaktereigenschaften, die man ihnen automatisch zuschreibt: Katzen schmusen gern, Hunde sind treu, Füchse schlau und Schildkröten, wie Josie, gelten als eher langsam. Das hilft einem natürlich bei der Charakterfindung, wenn man so ein kleines Wesen erschafft. Außerdem mögen wir Tiere. Außer vielleicht Piranhas und Kakerlaken. Aber das liegt wahrscheinlich auch ein bisschen daran, dass wir bisher noch nicht mit ihnen einen gemütlichen Fernsehabend mit Brause und ein paar Käsespießchen verbracht haben. Wer weiß, vielleicht sind grade Piranhas und Kakerlaken, wenn es drauf ankommt, die verlässlichsten Freunde.

Und warum haben Sie sich dann ausgerechnet für einen Adlerfasan und eine Schildkröte entschieden?
Grammel: Ich habe mich nicht für sie entschieden, sondern sie sich für mich! Frederic ist mir eines Sonntagmorgens gegen 16 Uhr im Spandauer Stadtpark beim Taubenfüttern zugeflogen. Sein Landeanflug war äußerst wackelig und man hörte ihn schon von Weitem lauthals über die mangelnde Qualität meiner Brotstückchen meckern. Und Josie habe ich beim Speeddating kennengelernt. Allerdings konnte sie mir damals nur noch ihren Vornamen vollkommen aus der Puste hinhauchen, dann klingelte es schon wieder und sie musste weiter zum nächsten Tisch.

Josie arbeitet in Ihrer Show ja als Teilzeit-Geldautomat. Was macht eine Schildkröte zu einem guten Geldautomaten?
Grammel: Natürlich ihre von Natur aus gepanzerte Außenhülle.

Josie, welche Ausbildung benötigt man denn als Teilzeit-Geldautomat?
Josie: Zunächst muss man weniger Zeit haben, als wenn man eine Ausbildung zum Vollzeit-Geldautomaten machen würde. Für mich ideal, denn ich habe weniger Zeit, weil ich für die Zeit, die ich habe, immer etwas länger brauche als andere, die mehr Zeit haben und auch noch weniger lange dafür brauchen. Außerdem muss man gut und schnell rechnen können, und etwas technischer Sachverstand kann auch nicht schaden. Zum Beispiel, wie rum man eine EC-Karte in einen Geldautomaten steckt.

Das klingt so, als hätten Sie es mit richtigen Experten zu tun. Was können Sie von Tieren lernen, Herr Grammel?
Grammel: Von Josie Ruhe und Gelassenheit. Und dass es eine positive Art von Naivität gibt, die wir uns alle unbedingt erhalten sollten. Leider schaffen das nur wenige. Von Frederic von Furchensumpf, meinem sprechenden Adlerfasan, lerne ich, dass man auch als kleiner Piepmatz einen großen Schnabel haben kann. Außerdem bringt er mir immer die neuesten Schimpfwörter bei. Wollen Sie mal eins hören?

Lieber nicht. Ich würde lieber wissen, wie Sie, Frederic von Furchensumpf, Ihr Lebensmotto „Immer mit der Ruhe“ bei Sascha Grammel durchsetzen, der doch immer in Bewegung ist?
Frederic von Furchensumpf: ’tschuldigung: „Immer mit der Ruhe“? Sie meinten sicher „HETZ MICH NICHT!“, oder? So viel Zeit muss sein. Und ja, das ist mein Lebensmotto. Beziehungsweise eines davon. Ein anderes lautet zum Beispiel: „Der Coolste hat immer recht!“, wobei natürlich vollkommen klar ist, wer hier der Coolste ist. Na? Na? Genau. Geht doch. Dann gibt’s noch „Wo ich bin, ist vorn“ und „Dünnes Eis, sehr dünnes Eis!“, was ich mir speziell für Sascha ausgedacht habe, aber nach Lust und Laune auch beliebig mit „Pass auf, Bauchredner!“, „Gleich schlägt’s dreizehn, Schnuppi!“ und „Letzte Warnung, mein pummeliges Hasen-Freundchen“ austauschen kann. Genial, oder?

Herr Grammel, das klingt, als wären Ihre Tiere Ihnen deutlich überlegen. Aber mal im Ernst, was können Tiere wirklich besser als Menschen?
Grammel: Als Erstes, ganz klar: Tierlaute nachmachen! Das kann ich überhaupt nicht. Ich bin zu Fasching mal als Baumrinde gegangen. War ein großer Erfolg. Weil ich keine Tierlaute nachmachen musste. Ich weiß, was Tiere im Gegensatz zu Menschen nie tun würden: sich aus Habgier und Intoleranz gegenseitig fertigmachen. Da haben wir Menschen leider die alleinigen Exklusivrechte dran.

Und was schätzen Sie an Herrn Grammel besonders, Herr von Furchensumpf?
von Furchensumpf: Dass er weiß, dass ich recht habe.

Sie scheinen einen guten Draht zu Ihren Tieren zu haben, Herr Grammel. Hatten Sie als Kind ein Haustier?
Grammel: Ich wollte als Kind immer eine Katze haben. Und einen Hund, einen Fisch, einen Hamster, eine Schlange, einen Tiger und einen Dinosaurier. Besonders bei Letzterem haben meine Eltern mit Blick auf unsere eher beengten Wohnverhältnisse ihr Veto eingelegt. Vielleicht habe ich, eben weil ich diese Tiere damals alle nicht bekommen konnte, mir jetzt als Erwachsener mit Frederic, Josie, Professor Hacke, Herrn Schröder und Ursula, Huhn und Außer Rüdiger einfach meinen eigenen kleinen Grammel-Zoo zusammengebastelt.

2013 kam dann noch ein weiterer Neuzugang in Ihren Zoo. Ein Bambi. Was bedeutet Ihnen diese tierische Auszeichnung?
Grammel: Also, ich muss schon sagen: Ein Bambi ist auch für mich etwas ganz Besonderes. Und das wunderschön glänzende, goldene kleine Rehlein hat darum auch einen absoluten Ehrenplatz bei mir zu Hause – und in meinem Herzen eingenommen. Und wenn ich noch eine dritte Hand hätte, dann würde ich mich damit den ganzen Tag kneifen, nur um wirklich sicher zu sein, dass das alles kein Traum ist.

Haben Sie sich auch über den Bambi gefreut oder sind Rehe unter Ihrer Würde, Herr von Furchensumpf?
von Furchensumpf: Wir haben uns beide sehr aufeinander gefreut, Bambi und ich. Und ich muss Sie da leider schon wieder verbessern: „… auf DEN Bambi gefreut“? Bambi ist ja wohl noch immer eine SIE. Ein Mädchen, genau! Und zwar ein äußerst attraktives. Mit ’ner Top-Figur! Haben Sie sich allein mal die hübschen Beine angesehen?

Wie viel Anteil haben denn die Tiere an Ihrem Erfolg, Herr Grammel?
Grammel: Schon einen großen. Ohne Josie und Frederic wären Professor Hacke und ich doch ziemlich allein, um jeden Abend über zwei Stunden Puppet-Comedy auf die Bühne zu bringen. Darüber hinaus sieht mein Manager aus wie ein gemütlicher Bernhardiner und meine Autoren wie ein schwarzer Rabe und ein farbenfroh-niedlicher Kolibri. Jetzt ist es raus.

Nur wenige Comedians können so sehr über Ihr eigenes Programm lachen wie Sie, können Sie besser über Tiere lachen oder über Menschen?
Grammel: Am meisten lache ich tatsächlich immer wieder über mich selbst. Wenn ich zum Beispiel während der Liveshow mit meinem vier- bis sechsarmigen Außerirdischen Herrn Schröder dasitze und er mir etwas über Quarktisten, Hödl und seinen halbweichen Planeten Chalirrhoe erzählt, wird mir die Absurdität dessen, was ich da Abend für Abend vor vielen Menschen treibe, oft schlagartig bewusst.

SASCHA GRAMMEL
1974 in Berlin-Spandau geboren, suchte schon mit 9 Jahren die Bühne und das Licht der Öffentlichkeit. Er ist bekannt aus TV-Shows und ist mit seinen Comedy-Soloprogrammen sehr erfolgreich. Für seine ganz individuelle Art der Unterhaltung entwickelte er sein eigenes Format – die „Puppet-Comedy“. Hierfür vereint er die besten Elemente aus Comedy, Puppenspiel sowie Bauchreden und mixt sie mit herzlich-absurdem Humor.
www.saschagrammel.de

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