Hallo Zukunft

Mit Ideen die Zukunft verbessern

Viele Menschen wollen die Welt verändern, ohne sich dafür an Gleise zu ketten. Stattdessen gründen sie Unternehmen, Initiativen, Netzwerke oder Solidargemeinschaften. Wir stellen fünf Beispiele vor.

Text: Pawel Sprawka

Lemonaid

Die Idee zur Weltverbesserung kam Paul Bethke bei einem Glas Limonade am Strand von Sri Lanka: Als der Hamburger, der 2005 als Entwicklungshelfer auf die von der Tsunami-Katastrophe verwüstete Insel ging, einen Drink aus frisch gepresstem Limettensaft trank, kam ihm der Gedanke, dass es in Deutschland ein Getränk aus frischen Zutaten geben sollte, von dessen Verkauf nicht irgendwelche Großkonzerne, sondern die Bauern vor Ort profitieren sollten. Zurück in Hamburg, gründete er mit einem Schulfreund 2009 das Sozialunternehmen Lemonaid Beverages. In einer WG-Küche im Karoviertel stampften die beiden Limetten und experimentierten an der richtigen Rezeptur.
Heute ist Lemonaid eine Firma, die jeder kennt und deren Handeln das Motto „Helfen, wo man erntet“ bestimmt. So setzt sich ihre karitative Organisation ChariTea e. V. nur für gemeinnützige Zwecke ein. Finanziert durch Spenden, fünf Cent pro Flasche LemonAid oder ChariTea fließen in die Kasse des Vereins. In Sri Lanka oder Paraguay, Brasilien oder Mexiko finanzieren sie fehlende Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten junger Menschen oder die Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
www.lemon-aid.de

Learning Cities

Wie wollen wir in Zukunft leben? Nirgends manifestiert sich die Wandlung der Welt so wie in den Städten. Erstmals in der Geschichte lebt heute schon über die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Räumen. Rund um den Globus ziehen Menschen vom Land in die Stadt. Um der Dynamik der globalen Urbanisierung zu begegnen, hat das in Hamburg ansässige UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen das Konzept der „Learning Cities“ entwickelt. Es will Antworten geben auf die großen Herausforderungen, vor denen Städte weltweit in Bezug auf soziale Inklusion, kulturelle Diversität und ökologische Nachhaltigkeit stehen. Im weltweiten Austausch sollen innovative Strategien entwickelt werden, die Stadtbewohnern jeglichen Alters den lebenslangen Erwerb von Fähigkeiten und Kompetenzen ermöglichen.
Städte können ihre Erfahrungen austauschen und von den anderen Mitgliedern des weltweiten Netzwerkes lernen. Dem Netzwerk der „Learning Cities“ gehören inzwischen
weltweit mehr als tausend Städte an. Das Hamburger UNESCO-Institut koordiniert das Netzwerk.
learningcities.uil.unesco.org/home

Transition Towns

Erdöl ist begrenzt vorhanden, diese Tatsache scheint bis heute ein Tabuthema geblieben zu sein. Was passiert aber, wenn uns das Öl ausgeht? Die Transition-Bewegung will Antworten auf die postfossile Zukunft geben.
Die Idee dahinter: Statt darauf zu warten, dass die Politik auf den Klimawandel und die bevorstehende Erdölknappheit reagiert, nehmen Bürgerinitiativen auf der ganzen Welt es selbst in die Hand, eine weitgehende Selbstversorgung der Bürger mit regenerativer Energie, Wohnraum und Nahrungsmitteln zu gewährleisten. Dabei arbeiten die unabhängigen, hierarchiefreien Bürgerinitiativen rein basisdemokratisch und wollen nicht von den Kommunalpolitikern gelenkt werden.
In mehr als 40 Ländern haben sich Transition-Initiativen gegründet, von den brasilianischen Favelas über energieautarke Orte in Japan bis zum Schweizer Bergdorf. 3.000 bis 4.000 Gruppen soll es geben, so genau weiß das keiner, denn es handelt sich um ein loses Netzwerk mit einem Hauptbüro im südenglischen Totnes und viel Eigenantrieb vor Ort. Im deutschsprachigen Raum haben sich mehr als hundert Gruppen zusammengeschlossen.
www.transition-initiativen.de

socialpioneer

Die Idee ist scheinbar unlogisch: Ein Unternehmen versorgt andere Unternehmen mit Geld, gutem Rat und möchte dabei keinen Gewinn machen. Das macht das Hamburger Unternehmen socialpioneer. Aber nur für die Firmen, die die Welt besser machen wollen und soziale Projekte realisieren. Mit dem Geld von Spendern, von Menschen, die etwas übrig haben für gesellschaftliche Probleme, und für jene, die diese Probleme angehen wollen, unterstützt socialpioneer Firmengründer, die mit ihren Ideen etwas bewegen wollen. Einmal pro Jahr können sie sich um ein Stipendium bewerben, am sogenannten „Pitch“ für das „Social Impact Lab“ teilnehmen.
Die ausgewählten Stipendiaten bekommen im „Social Impact Lab“ einen Büroplatz. Und ein persönliches, auf ihre Geschäftsidee zugeschnittenes Coaching. In dem es darum geht, neben der guten Idee auch ein tragfähiges Umsetzungskonzept zu entwickeln. Die Firmengründer werden beraten, um die passende Rechtsform zu wählen, um einen soliden Businessplan zu erstellen. Es werden Kontakte vermittelt und potenzielle Geldgeber ausfindig gemacht.
www.socialpioneer.de

Lichtblick und Tesla

Der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick und der Elektroautohersteller Tesla haben Großes vor: Die beiden Unternehmen wollen zukünftig Stromkunden in aller Welt unabhängig von ihren Energieversorgern machen. Erreicht werden soll das mit leistungsstarken Batteriespeichern. Wird in Deutschland gerade zu viel Wind- und Sonnenstrom produziert, könnten die Akkus diesen aufnehmen und so das Netz entlasten. Ist zu wenig Strom da, können sie den gespeicherten Strom zurück ins Netz speisen. Und damit können die künftigen Akkubesitzer Geld verdienen.
Bisher waren solche Speicherlösungen vor allem für Besitzer von Solaranlagen interessant. Durch diese Technik können jetzt auch Haushalte und Firmen, die selbst gar keinen Strom erzeugen, Energie zwischenspeichern und damit Geld verdienen.
www.lichtblick.de

Foto: Vom Geistesblitz auf Sri Lanka über die Karoviertel-WG zum karitativen Unternehmen: die Lemonaid-Gründer. Fotografiert von Steffi Zepp

 


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