Einfach machen!

Gerettete Schätze

In den Lagerräumen der Hanseatischen Materialverwaltung am Oberhafen können Kreative viele Dinge für neue Ideen günstig kaufen oder leihen. Das Besondere: Requisiten, Kulissenteile und Rohmaterial stammen von bereits abgeschlossenen Projekten und Produktionen. Alessa Lippert rettet sie gemeinsam mit Petra Sommer und Jens Gottschau vor der Verschrottung.

Interview: Katharina Manzke
Fotografie: Susanne Baumann

 

Warum sammelt und verwaltet Ihr Material, das normalerweise weggeschmissen würde?
Alessa Lippert: Weil es einfach so wichtig ist und total sinnvoll. Man sieht es daran, dass es die Leute so zufrieden macht: Der Bühnenbauer, der mit viel Herzblut einen sechs Meter langen Schiffsbug für „Die kleine Meerjungfrau“ im Schauspielhaus geschaffen hat, freut sich, wenn sein Werk noch mal für einen guten Zweck verwendet wird, und die Materialnutzer sind froh über das tolle Requisit. Leute mit nicht so viel Geld haben durch uns Materialien zur Verfügung, die sie sich sonst nicht leisten könnten und können ihre Projekte realisieren.

Ist Euer Fundus für alle da?
Wir sind offen für alle, nur unter unterschiedlichen Bedingungen für gemeinnützige und kommerzielle Projekte. Gemeinnützige, ehrenamtliche Projekte unterstützen wir am meisten. Zum Beispiel studentische Projekte, Projekte für Berufs- und Schulbildung oder Umweltprojekte. Kommt hier auch mal eine Filmproduktion rein, die ein höheres Budget hat, dann müssen die auch mehr zahlen: 19 Prozent Mehrwertsteuer statt 7 Prozent.

Wie viele Projekte habt Ihr seit der Gründung vor einem Jahr unterstützt?
Rund 400. Unser Netzwerk ist mittlerweile so groß, dass wir noch viel mehr Material haben und auch weit mehr Projekte unterstützen könnten. Trotzdem begrenzt sich das Ganze ein bisschen von selbst.

Wo liegen die Schwierigkeiten?
Zum einen ist das eine Frage des Platzes. Trotz ihrer rund 600 Quadratmeter und der zweiten Ebene ist unsere Halle begrenzt. Es ist eine tägliche Herausforderung, hier Ordnung zu halten und die Materialien zu verräumen. Zum anderen sind wir hier ja trotz vieler ehrenamtlicher Helfer im Kern nur zu dritt und arbeiten jetzt schon bis an die Grenzen des menschlich Machbaren. Weil wir die Sachen möglichst günstig rausgeben wollen, ist es grundsätzlich schwierig, unsere Fixkosten einzuspielen. Durch eine finanzielle Förderung von der Stadt konnten wir uns bisher über Wasser halten, diese läuft aber Ende des Jahres aus. Um jetzt richtig durchzustarten, bräuchten wir noch mal Unterstützung.

Kannst Du ein aktuelles Projekt nennen, das von Euch unterstützt wird? Mit welchen Materialien wird es umgesetzt?
Leute vom Lichthof Theater haben sich für das Stück „Wunder Dich“ zum Beispiel unseren „großen Urknall“ geholt, ein auf Messestoff gemaltes Universum in den Maßen fünf mal acht Meter, den sie als Hintergrund nutzen. Außerdem Kleinrequisiten einer der letzten analogen Film-Kopierwerkstätten aus Hamburg. Von Atlantik-Film haben wir eine Menge Sachen in ganz skurrilen Formen und Dimensionen in unserem Lager.

DIE „HANSEATISCHE MATERIALVERWALTUNG“
wurde vor einem Jahr von Petra Sommer und Jens Gottschau gegründet. Als gemeinnütziger Fundus und Pionierprojekt für das Kreativ-Quartier Oberhafen wird das Projekt von der Hamburger Kulturbehörde, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der HafenCity Hamburg GmbH und der Hamburg Kreativ Gesellschaft mit einer Anschubfinanzierung gefördert. In Europa ist die Institution, die sich am New Yorker Projekt „Material for the arts“ orientiert, einmalig. Kontakt: Stockmeyerstraße 41–43, Öffnungszeiten: Mo–Fr 10.o00–18.00 Uhr.
www.hanseatische-materialverwaltung.de

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