Tierisch gut?

„Ein guter Schlachter weiß, wie er schneiden muss“

Aydin Yildirim verkauft in seinem Laden­geschäft in der Bartelsstraße Halal-Fleisch. Die Schlachtung nach religiösen Vorschriften ist für ihn sehr wichtig.

Interview: Katharina Manzke
Fotografie: Thomas Duffé

ACHT: Ihre Ware ist „halal“. Sie verkaufen also Fleisch, das den islamischen Speisevorschriften entspricht. Sie sind auch selbst Schlachter. Wo haben Sie Ihr Handwerk gelernt?
Aydin Yildirim: Ich habe den Beruf schon mit zwölf Jahren gelernt, in meiner Heimatstadt Elâzığ in der Türkei. Ich erinnere mich noch an ein erstes Schlachterlebnis. Mein Meister hat in das Bein des Tieres gestochen und ich musste in das Loch pusten, um die Haut abzulösen. Das ist besser, als wenn man sie mit dem Messer ablöst.

Was war das für ein Erlebnis für Sie als kleinen Jungen?
Es gibt Menschen, die sehen das einmal und essen dann nie mehr Fleisch. Ich habe das nicht als erschreckend erlebt. Ich war eher neugierig. So habe ich gelernt, wie es funktioniert. Meine Familie und meine Vorfahren haben immer mit Tieren gelebt. Ich bin mit dem Schlachten aufgewachsen. Im Dorf wird geschächtet, wie es nach den islamischen Regeln sein soll. Das Tier muss richtig ausbluten.

Dort wird das Tier ohne Betäubung geschächtet. Wie ist es hier in Deutschland?
In den Schlachthöfen, die unser Fleisch liefern, wird das Tier mit einem kleinen Elektroschock für ein paar Minuten betäubt.

Wieso nur für ein paar Minuten?
Wenn man das Tier länger schockt, kommt nicht alles Blut raus, dann ziehen sich die Muskeln zusammen. Alles Blut muss raus, das ist gesund und so hat es uns Gott befohlen. Eigentlich ist es nicht nötig, das Tier zu betäuben, wenn man es richtig schneidet. Wichtig ist, dass man sehr schnell an der richtigen Stelle ansetzt, damit das Tier bewusstlos wird und nicht leidet. Ein guter Schlachter weiß, wie er schneiden muss. Du musst ein gutes Messer nehmen. Gott hat zu unserem Propheten Ibrahim gesagt: Dein Messer muss richtig scharf sein. Wie eine Rasierklinge.

Warum hat er das zu ihm gesagt?
Gott erschien dem Propheten Ibrahim, bei euch Abraham, und sagte dreimal hintereinander zu ihm: Du sollst dein Kind schlachten. Und weil es der Wunsch Gottes war, legte sich sein Sohn Ismael auf einen Stein und Ibrahim versuchte dreimal zu schneiden, aber das Messer schnitt nicht. Gott wollte nicht, dass Ismael stirbt. Ibrahim hat bewiesen, dass er Gott noch mehr liebte als seinen eigenen Sohn. Nach dieser Prüfung kam ein Engel mit einem Schaf und sagte: Ab jetzt opferst du jedes Jahr dieses Schaf. Deswegen feiern wir Muslime jedes Jahr unser Opferfest, an dem Millionen Tiere geschlachtet werden. In Mekka, in Arabien, wird geschlachtet und dann wird das Fleisch an arme Menschen verteilt.

Ein schöner Gedanke, dass mit dem Schlachten Menschen in Not geholfen wird.
Ja. Es gibt Menschen, die essen fast nie Fleisch, weil sie arm sind. Die sollen auch etwas bekommen. Wir müssen uns gegenseitig helfen. Vor dem Schlachtfest fasten wir einen Monat lang. Da dürfen wir gar kein Fleisch essen. Wenn ich einen Monat lang faste, kann ich mir vorstellen, wie Menschen leiden, die nichts zu essen haben. So lernt man zu teilen. Außerdem kann mein Magen so einmal Pause machen. Das tut gut. Wenn wir den ganzen Tag Auto fahren, macht der Motor irgendwann schlapp. So ist das auch mit dem Magen und dem Fleischessen.


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Kochen mit der Hamburger Volkshochschule
Kochen in der Kochschule WEST – Othmarschen.


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