Einfach machen! Profil

„Die Realität ist sehr viel besser…“

Die Singer-Songwriterin Cäthe gehört zu den markantesten Stimmen der deutschen Popmusik. Ihr Ziel, einfach nur Musik zu machen, stand für sie schon früh fest. Und dem ist die Wahl-Hamburgerin unbeirrt treu geblieben. Im Interview spricht sie über ihren Lebensweg, ihre Musik und ihre Träume.

Fragen: Esther Mangold
Fotografie: Oliver Reetz

 

ACHT: Cäthe, Sie haben mit zwölf beschlossen, das Gitarrenspiel zu erlernen. Mit vierzehn hatten Sie Ihr erstes Konzert in einer Kneipe. Nehmen Sie die Dinge immer in die eigene Hand?
Ja. Ich wollte schon als Kind Musik machen. Und da ich auch schon immer meinen eigenen Kopf hatte, war ich sehr beharrlich, um meine Ziele zu erreichen. Ich glaube, dass es bei mir zwei Seiten gibt. Die eine ist die, dass ich einfach dem Gefühl folge, etwas unbedingt machen zu wollen. Das lässt sich mit dem Kopf eigentlich nicht begreifen. Die zweite Seite ist die rationale Seite. Hier treffe ich die Entscheidungen. Bei mir waren die beiden Seiten immer deckungsgleich. Das hilft und so bin ich ziemlich selbstverantwortlich meinen Weg gegangen.

Hat Sie Ihre Familie dabei unterstützt?
Ich komme aus einer Familie, die nicht unbedingt als musikalisch bezeichnet werden kann. Ich musste meine Eltern überzeugen, dass ich Musik unbedingt machen möchte. Vor allem meine Mutter war am Anfang etwas skeptisch. Aber meine Liebe zum Singen hat sich dann doch durchgesetzt. Und meine Mutter hat das irgendwann eingesehen und mich auch unterstützt.

Und welche Musik haben Sie in Ihrer Jugend gehört?
Ich war damals ein kleiner Hippie. Ich habe sehr viel Musik aus den Sechzigern und Siebzigern gehört. Jannis Joplin oder Jimi Hendrix, das war die Musik, die mich damals bewegte. Während meine Freundinnen „Backstreet Boys“ gehört haben, mochte ich lieber die alten Sachen. Diese Musik war für mich authentisch. Kein Schnickschnack, einfach geradlinig. Das hat mich damals sehr angezogen.

Was an Ihrer Musikerkarriere haben Sie geplant, was hat der Zufall entschieden?
Vieles hat sich tatsächlich spontan ergeben. Gut, mein Fokus war immer klar: Ich will Musik machen. Aber der Weg war nicht geplant. Es hat sich vieles einfach aus zufälligen Situationen entwickelt. Und auch aus Begegnungen mit verschiedenen tollen Menschen. Zum Beispiel mit meinen Freunden und Mitmusikern Mika Doo, Gisbert zu Knyphausen oder Florian Eilers – sie haben mich sehr inspiriert. Ich glaube, dass grundsätzlich für meinen Weg die Spontaneität unglaublich wichtig war.

Wie war der Anfang Ihrer Karriere: eher eben oder eher steinig?
Es war manchmal schon ziemlich hart. Du brauchst eine große Portion Durchhaltevermögen, um Erfolg zu haben. Aber wie gesagt: Ich bin sehr beharrlich und ich habe einfach mit meiner Musik weiter gemacht. Natürlich bin ich auch durch emotionale Krisen gegangen. Musste mein Lebensunterhalt mit diversen Nebenjobs wie Crêpes zu verkaufen, Bar-Jobs oder als Weihnachtsmann verdienen. Manchmal habe ich mir auch gesagt: Mensch, das was du machst, ist eine brotlose Kunst, du bist nicht versichert, es ist so unsicher. Aber emotionale Krisen gehören dazu. (lacht) Dadurch bin ich aber auch gewachsen und es hat sich gelohnt.

Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?
Stilistisch will ich mich gar nicht so festlegen. Klar, im Großen und Ganzen mache ich Popmusik. Mich haben ja auch sehr verschiedene Künstler wie Prince, Annie Lennox oder Joni Mitchell geprägt, aber dennoch übernehme ich jetzt nicht irgendwelche Formen oder Ideen von anderen. Für mich kommt es immer auf die Glaubwürdigkeit und Authentizität an. Und deswegen muss die Musik von mir kommen und nur von mir. Meine Musik muss einfach mein Leben erklären.

Komponieren Sie Ihre Stücke selbst?
Ja, immer. Ich bin eine leidenschaftliche Text-Schreiberin. Wenn ich Songs schreibe, ziehe ich mich komplett zurück, denn Schreiben fängt für mich mit der Einsamkeit an. Und wenn ich einen Text fertig habe, arbeite ich zuerst an der Gitarre. Zupfe so vor mich hin. Suche die passende Melodie. Dann setze ich mich an den Rechner und entwickle das Stück mit einem Musikprogramm. In solchen Momenten bin ich ganz autistisch. Ich beschäftige mich stundenlang mit irgendwelchen Details, bis ich das Gefühl habe: so, das ist es. Manchmal lasse ich aber auch die angefangenen Stücke liegen und irgendwann kommt die richtige Idee, wie sie am besten klingen könnten.

Eine letzte Frage noch: Haben sich Ihre Kindheitsträume bezüglich der Musikkarriere erfüllt?
Ja und nein. Meine früheren Vorstellungen haben mich immer angetrieben, Musik zu machen. Das war auch gut so. Sie haben mir die nötige Energie gegeben, um mich zu entwickeln. Aber mit meiner heutigen Realität haben die damaligen Vorstellungen wenig zu tun.
Die Realität ist sehr viel besser als meine Träume von früher. Ich bin mittendrin in meiner Musik und das ist grandios.

 

CÄTHE
wurde am 21. November 1982 in Staßfurt (Sachsen-Anhalt) geboren. Ihr bürgerlicher Name lautet Catharina Sieland. Als sie sieben Jahre alt war, reiste sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder kurz vor der Wende aus der damaligen DDR nach Westdeutschland aus. Mit zwölf Jahren bekam sie ihre erste Gitarre und gab schon zwei Jahre später ihr erstes Konzert. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Musik- und Gesangsunterricht, Berufsfachschule für Musik und schließlich der Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Cäthe lebt seit 2005 in der Hansestadt. Sie gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Singer-Songwritern.
www.cäthe.de

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