Nerd Schöne Aussichten

Christian Metzler, Sonnenbrillen-Nerd.

In jeder Ausgabe der ACHT stellen wir einen Menschen vor, der ausgiebig einer Leidenschaft nachgeht und stellen ihm acht Fragen zu seinem Spezialgebiet. Und wir stellen fest: Nerds sind ganz normale Menschen – nur mit einem ausgeprägtem Spleen …

Fragen: Kerstin Estherr

1

Wie viele Sonnenbrillen besitzen Sie?
Das ist eine gute Frage und um ehrlich zu sein, habe ich sie lang nicht mehr gezählt, alles in allem sind es über tausend, ich gehe davon aus, dass es um die 1.600 Stück sind. Dummerweise kommen immer wieder welche hinzu.

2

Wann hat Ihre Sammelleidenschaft für Vintage-Sonnenbrillen begonnen?
Ich habe vor zirka zehn Jahren damit angefangen. Der Auslöser war eine „Alpina M1“ in Schwarz, die mir meine damalige Freundin geschenkt hatte. Sie hatte sie auf einem Flohmarkt für einen Euro oder so gekauft, und sie war ihr zu groß, also gab sie mir die Brille. Ich habe dieses Modell sehr gemocht und gerne getragen. Eines Tages habe ich dann im Jay-Z-Videoclip „Show me what you got“ gesehen, dass der Rapper wohl die gleiche Brille trägt wie ich. Ich habe gleich nach dem Modell gegoogelt und so zum ersten Mal etwas über „Vintage Eyewear“ erfahren. Einen Flohmarkt später hatte ich eine „Alpina M6“ und war angefixt! Seitdem wird gesucht und gesammelt.

3

Welche Bedeutung haben Sonnenbrillen für Sie und wie viel Geld investieren Sie pro Jahr in Ihr Hobby?
Ich denke, die Bedeutung liegt darin, dass es so viele verschiedene Sonnenbrillen gibt. Ich liebe es, unterschiedliche Modelle zu unterschiedlichen Outfits zu tragen zu. Wenn dann noch der Detailreichtum und die technische Finesse dazukommen, die eine Brille zu einem einzigartigen Kunstwerk in Gestaltung und Technik machen, ist es einfach perfekt.
Wie viel Geld ich ausgebe, kann ich schwer sagen, da man mal mehr und mal weniger Glück beim Suchen hat. Aber ich habe schon den einen oder anderen Cent in den letzten Jahren liegen lassen.

4

Woher beziehen Sie die Brillen und wie können Sie Originale von Fälschungen unterscheiden?
Woher, bleibt ein „Geheimnis“. Die Unterscheidung zwischen einem echten Modell und einer Fälschung fällt einem nach so langer Sammlerzeit recht leicht. Es sind oftmals die qualitativen Details, die den Unterschied ausmachen, und dann gibt’s da oft gravierende Fehler bei den Designs, die die „Fälscher“ einfach nicht beachten oder wahrscheinlich in der Herstellung zu teuer wären.

5

Welchen Brillenstil empfehlen Sie zu welchem Anlass?
Das liegt nie am Anlass, das liegt mehr an der Farbwahl des Outfits und der Intensität des Sonnenlichts. Zu einem warmen Outfit, das farblich in Erdtönen, Braun, Grün gehalten ist, wähle ich ein goldenes oder braunes Gestell oder ein Gestell im Tortoise-Look (ein Mix aus verschiedenen warmen Erdtönen und einer gescheckten Struktur). Das Glas sollte in jedem Fall eine warme Tönung haben. Zu einem tendenziell kühlen Outfit in den Farben Schwarz, Grau, Blau etc. wähle ich eher ein silbernes, schwarzes, graues oder weißes Gestell mit einer graublauen Tönung.

6

Macht Sie Sammeln glücklich?
Es ist die Jagd, das Finden, das Aufstöbern, das Betrachten der Beute, der Vergleich mit anderen Modellen, das Austauschen mit anderen Sammlern – das treibt mich an und macht mich glücklich.

7

Welches ist Ihr liebstes Gestell?
Oh Mann, das ist eine schwere Frage! Wenn man mich jetzt nach einzelnen Herstellern und dann nach einem Lieblingsmodell fragen würde, wäre es sicher einfacher … aber gut, ich versuche, eine Antwort zu geben: Vier Modelle stehen ganz oben auf meiner Wunschliste: „Alpina Goldwing“, „Cazal 627“, „Cazal 642“ und „Alpina M1“.

8

Gibt es eine „Blaue Mauritius“ unter den Sonnenbrillen, der alle Sammler hinterherjagen?
Da gibt es ein paar. Eine „Cazal 634“ zum Beispiel oder die Chanel-Sonnenbrille mit der Lederkette in kurz und lang aus den 90er-Jahren. Ich wünschte, ich könnte sie irgendwo finden.

Fotos: Christian Metzler, Sebastiabn Heck, Armen Djerrahian

 

CHRISTIAN METZLER
1980 geboren, lebt in Pforzheim, verdient sein Geld als international arbeitender Fotograf im Bereich Mode, People, Musik und Corporate Identity. Er besitzt ungefähr 1.600 Sonnenbrillen und hütet sie liebevoll in einer Original-Optiker-Schrankwand. Laut eigener Aussage könnte er sich eher von seinem Job trennen als von seinen Brillen.
www.christianmetzler.com
@christianmetzlercom

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