Einfach machen!

Begehbarer Kleiderschrank

Experimentierspaß mit Mode fernab von blindem Konsumverhalten – die Kleiderei in der Bartelsstraße macht es möglich. Thekla Wilkening und Pola Fendel, die Gründerinnen der Kleiderei, sprechen über ihre Klamottenbibliothek.

 

Interview: Katharina Manzke
Fotografie: Susanne Baumann

 

Abendkleid, Schuhe, Mäntel, Glitzertops … Eure Kundinnen können sich bei Euch alle Arten von Frauenkleidern ausleihen. Haben sie diese satt, bringen sie sie wieder zurück, statt sie wegzuwerfen. Wie bewusst sind Gedanken um Nachhaltigkeit in Eure Geschäftsidee eingeflossen?
Thekla Wilkening: Begonnen hat eigentlich alles mit einer Schnapsidee. Wir hatten vor dem Weggehen das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben und haben uns gefragt: Wieso kann man Sachen nicht erstmal leihen, um rauszufinden, ob sie was für einen sind? Als wir dann tatsächlich ein Konzept entwickelt haben, hat Nachhaltigkeit schon eine Rolle gespielt. Ich studiere Bekleidungstechnik, beschäftige mich viel mit den Produktions­abläufen von Kleidung und zwangsläufig auch mit der Belastung, die diese für Umwelt und Menschen darstellen. Am sinnvollsten ist es, das zu behalten, was da ist.
Pola Fendel: Wir haben die „Kleiderei“ nicht nur aufgemacht, weil wir dachten, das bringt bestimmt Spaß, sondern auch, weil es eine Relevanz hat. Wir erfüllen unseren Kundinnen sozusagen den Traum vom begehbaren Kleiderschrank, in dem man immer wieder etwas Neues bekommen kann, ohne viel Geld ausgeben oder sich selbst vollmüllen zu müssen.

Was ist, wenn man sich so sehr in ein Kleidungsstück verliebt, dass man es nicht mehr hergeben möchte?
Thekla: Das passiert nie. Unsere Kundinnen dürfen die Sachen nach dem Zurückbringen noch mal mitnehmen. Das machen sie höchstens zweimal, weil sie die Teile dann einfach über haben. Das „Habenwollen“-Gefühl geht ganz schnell weg. Die Leute wollen etwas Neues und den Reiz des Neuen kann man über Leihen erreichen.
Pola: Ich habe zwei Teile im Schrank, die ich nie verleihen würde. Aber die zieh ich höchstens zweimal im Jahr an. Durch die „Kleiderei“ kann man gut sparen, um so für etwas ganz Tolles auch mal mehr Geld ausgeben zu können.

Wer sind Eure Kundinnen?
Thekla: Die meisten sind zwischen 18 und 30 Jahre alt und arbeiten in kreativen Berufen. Auch viele Studentinnen mit knappem Budget sind dabei. Es kommen aber auch ältere Frauen, die die „Kleiderei“ cool finden, weil sie das früher auch so gemacht haben wie wir.

Jeder verbindet mit einem Kleidungsstück ja etwas anderes. So lädt sich ein einziges Teil mit Geschichten auf. Das ist bestimmt interessant für Euch.
Pola: Wir haben uns auch tatsächlich vorgenommen, die Kleidungsstücke mit ihren Geschichten zu versehen. Und wir wollen eine Weltkarte aufhängen, auf der die Leute mit Pins kennzeichnen können, wohin sie mit den Teilen verreist sind. Viele Kleider sind schon weit durch Europa gekommen, besonders in südliche Länder.

 

DIE KLEIDEREI
wurde im Jahr 2012 von Pola Fendel und Thekla Wilkening gegründet. Die Mitgliedschaft kostet 14 Euro im Monat, kann einmalig ausprobiert oder im Abo verlängert werden. Kundinnen können sich bis zu zwei Teile pro Woche aus einem Fundus von 1.400 Teilen ausleihen, in dem man neben Kleidung von H&M und Vintage-Ware auch erlesene Designer­stücke findet.
Kontakt: Bartelsstraße 65, 20357 Hamburg, Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 12.00–20.00 Uhr, Samstag 12.00–18.00 Uhr
www.kleiderei.com

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