Global Unterwegs

Andere Länder, andere Jobs

Nicht immer bietet die Heimat die besten Bedingungen für den richtigen Job. Diese zwei Frauen haben sich aufgemacht, ihr Glück woanders zu suchen. Die Hamburgerin Alina König ist in der Welt zu Hause, hat in Kuba, Mexiko und Peru gearbeitet. Die Südkoreanerin Teresa Tetens kam 2011 nach Deutschland – der Liebe wegen. Seit ein paar Wochen wohnt sie in Hamburg, damit der Wiedereinstieg ins Berufsleben endlich gelingt.

Interviews: Maike Dugaro

Alina König, 28 Jahre, Washington D.C.

ACHT: Von Hamburg in die Welt: Sie haben bereits in Europa, Lateinamerika und in den USA gearbeitet – was zieht Sie in die Ferne?
Alina König: Ich bin immer ein bisschen rastlos. Ich mag neue Herausforderungen und will andere Kulturen erleben und von ihnen lernen.

Sie haben an der Hertie School of Governance in Berlin studiert, die von sich selbst sagt, „world changer“ auszubilden. Was wollen Sie in der Welt ändern?
Ich möchte die Welt ein Stück gerechter gestalten und den Menschen, die weniger Möglichkeiten im Leben haben als ich, etwas an die Hand geben. Mir war schon früh klar, dass ich in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten möchte. Nach meinem Studium möchte ich jetzt vor allem die Politik in Entwicklungsländern so beeinflussen, dass politische Entscheidungen zum Wohle der ganzen Bevölkerung getroffen werden. In Deutschland gibt’s natürlich auch viel zu tun, aber im Vergleich zu der Situation vieler Menschen in Entwicklungsländern geht es uns hier doch relativ gut.

Welche Rolle spielen die Orte, an denen Sie leben, für Ihre Arbeit?
Für meine Arbeit ist es wichtig, nah am Geschehen dran zu sein. In Peru habe ich für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit gearbeitet und dabei geholfen, die nationalen Sozialprogramme zu verbessern und das Entwicklungsministerium umzugestalten. Das kann man schlecht von Hamburg aus. Man muss schon vor Ort sein, um die Situation zu verstehen, sich mit den lokalen Partnern zu treffen, Vertrauen aufzubauen, und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Hat sich Ihr Blick auf Hamburg durch das Unterwegssein verändert?
Als ich noch in Hamburg gelebt habe, wurde es mir sehr schnell zu klein und ich hatte stets das Gefühl, ich müsste raus. Das hat sich durch das Leben im Ausland geändert. Mittlerweile weiß ich die Stadt sehr zu schätzen: insbesondere die Sicherheit, die Ruhe und Ästhetik mit dem vielen Grün und Wasser. Aber vor allem weiß ich Deutschland im Allgemeinen jetzt mehr zu schätzen. In anderen Ländern herrscht oft große Ungleichheit in der Gesellschaft, Armut ist weit verbreitet, Gesundheitsfürsorge oder Bildung unzureichend. In Deutschland gibt es eine Qualitätsschwelle, unter die es nicht runtergeht – keiner muss hier hungern. Das ist nicht selbstverständlich.

Seit einigen Wochen arbeiten Sie bei der Weltbank in Washington D.C. Welche Aufgaben warten dort auf Sie?
Es ist das erste Mal, dass ich für eine Bank arbeite. Es ist also alles Neuland für mich, aber es macht großen Spaß. Ich arbeite im Moment als Gutachterin bei der Weltbank und unterstütze die Reform des Öffentlichen Sektors in Lateinamerika und der Karibik. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich für Paraguay und Honduras Vorschläge für eine Steuerreform und eine Reform der staatseigenen Betriebe vorbereite.
Wer so viel unterwegs ist, den zieht es doch bestimmt auch manchmal wieder nach Hause.
Zuhause ist für mich mittlerweile eher ein Gefühl. Meistens wird es mein aktueller Wohn- und Arbeitsort mit der Zeit. Hier baue ich mein Leben auf, schaffe einen Freundeskreis, und der wird dann schnell zu meinem Lebensmittelpunkt. Natürlich komme ich trotzdem manchmal nach Hamburg, um meine Familie und Freunde zu sehen, aber leider viel zu selten.

In welcher Stadt werden Sie als Nächstes leben?
Ich plane nicht lange im Voraus, sondern nehme das Leben, wie es gerade kommt. Jetzt werde ich erst einmal die nächsten zwei Jahre in Washington D.C. verbringen. Danach würde ich gerne wieder ins „Feld“, am liebsten nach Südostasien.

Teresa Tetens, 41 Jahre, Hamburg

ACHT: Was wussten Sie über Hamburg, bevor Sie herkamen?
Teresa Tetens: Nicht viel. Aber ich wusste, dass Hamburg eine große Chance für mich ist, beruflich wieder einzusteigen. Vorher haben wir in der Nähe von Neumünster gewohnt. Da habe ich keine Arbeit gefunden und mich oft angegriffen gefühlt. Wenn ich zum Beispiel auf dem Wochenmarkt nach einem Preis fragte, kam zur Antwort „Das kostet drei deutsche Euro“. Leider kann ich auf Deutsch nicht schnell genug reagieren. In Hamburg fühle ich mich dagegen integriert und ganz normal.

Haben Sie schon einen Job gefunden?
Im Moment mache ich ein Praktikum in einer Immobilienfirma und ab Februar dann hoffentlich eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau. Einfach ist es also auch hier nicht, denn in Korea funktioniert der Arbeitsmarkt ganz anders. Wir sind sehr amerikanisiert. Das heißt: Wer etwas kann, bekommt auch einen Job. Die Ausbildung spielt dabei keine Rolle. Ich habe eigentlich Germanistik studiert und dann anschließend fünfzehn Jahre im Groß- und Außenhandel für eine italienische Modefirma gearbeitet. Aber das zählt hier nicht. Ich habe sehr lange gebraucht, um das zu verstehen. Dann ist mir klar geworden: Egal wie alt ich bin – ich bin hier ein Anfänger. Also kann ich auch noch eine Ausbildung anfangen – selbst mit 41.

Gibt es noch andere Situationen, in denen Sie denken: Die spinnen, die Deutschen?
Als ich in Korea gelebt habe, dachte ich, Deutsche sind ja Europäer. Und für uns sind Europäer fortschrittliche, gebildete, höfliche Leute. Aber das war wohl ein Vorurteil. Mein Mann hat am Anfang immer gesagt: Wenn du so stehen bleibst, wirst du nie Brötchen kaufen. Es haben sich immer alle vorgedrängelt. Heute kann ich damit besser umgehen und auch darüber lachen.

Zum Glück konnten Sie wenigstens die Sprache schon. Wie kommt es eigentlich, dass Sie Germanistik studiert haben?
Das ist jetzt ein bisschen peinlich, aber in Korea ist der Ruf der Universität wichtiger als das Hauptfach, das man studiert. Da ich im Gymnasium Deutsch als zweite Fremdsprache gelernt habe und ich als eine Roman­leserin derzeit Luise Rinser so sehr mochte, habe ich Germanistik studiert. Nach dem Studium habe ich fünfzehn Jahre lang nichts mit der deutschen Sprache zu tun gehabt. Aber dann, als ich meinen Mann kennen gelernt habe, habe ich gedacht: Vielleicht war es Schicksal.

Haben Sie sich schon mit dem Hamburger Dialekt angefreundet?
Butschern war mein erstes Wort. Schnacken finde ich auch klasse. Und Hamburch natürlich.

Gibt es dagegen etwas, an das Sie sich nie gewöhnen werden?
Matjes. Mein Mann ist Deutscher und mag das sehr gerne. Aber ich kann mich nicht überwinden. Ich mag die Konsistenz nicht und die Vorstellung rohen Fisch in Essig zu essen, finde ich auch nicht besonders lecker. In Korea essen wir natürlich auch ekelhafte Sachen – zum Beispiel Hund oder Raupen. Aber immerhin kochen wir es vorher.

ZENTRUM DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE
Das Zentrum Deutsch als Fremdsprache der Hamburger Volkshochschule versteht sich als Bildungsprogramm für alle Migrantinnen und Migranten in dieser Stadt. Mit unserem Angebot, das zu einem der größten dieser Stadt gehört, wollen wir dazu beitragen, Ihre Chancen in dieser Gesellschaft zu verbessern und die gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.
www.vhs-hamburg.de

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