5 X 5 Achtung, Nachbarn

5 Fragen – 5 Menschen #7

Sie sind keine Freunde und gehören nicht zur Familie. Und dennoch können sie uns den Alltag erleichtern oder das Leben vermiesen: unsere Nachbarn. Wir haben fünf VHS-Kursleiter nach ihren Nachbarn und Nachbarschaftserfahrungen gefragt.

Fragen: Redaktion

 

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Svenja Korte-Langner, Sozialpädagogin

Welche Nachbarn sind Ihnen die liebsten?
Bei ragazza e. V.  schätze ich die Nachbarn, die allen hier im Stadtteil lebenden Menschen mit Toleranz und Verständnis begegnen und sich für eine Vielfalt in St. Georg einsetzen.
Welche Nachbarn sind für Sie die schlimmsten?
Menschen, die Antworten auf soziale Problemlagen in einer Verschärfung von Repression und Verdrängung suchen. Diese „Nachbarn“ finde ich am unverträglichsten.
Wie ist das Verhältnis zu Ihren Nachbarn, unternehmen Sie auch was gemeinsam?
Wir als Verein organisieren regelmäßig einen „Tag der offenen Tür“ – es ist eine tolle Gelegenheit, mit unterschiedlichen Menschen aus dem Stadtteil in Kontakt zu treten.
Würden Sie eine Flüchtlingsunterkunft in Ihrer Nachbarschaft begrüßen?
Mir fehlten häufig der Gedanke der Mitmenschlichkeit und die Chancen durch Zuwanderung. Mir macht eine Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft weder Angst noch würde ich sie ablehnen.
Welches Thema bieten Sie im Rahmen der VHS-Reihe „Alles Hamburg!“ an?
Ich biete eine Veranstaltung zum Thema „Drogenkonsum und Sexarbeit“ an – die Veranstaltung findet im ragazza in St. Georg statt.

 

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Mohammed Khalifa, Sprachlehrer

Welche Nachbarn sind Ihnen die liebsten?
Der Prophet Mohammed sagte: „Der Engel Gabriel empfahl mir so oft die gute Behandlung des Nachbarn, dass ich beinahe dachte, er würde ihn vielleicht zum Erben einsetzen.“
Welche Nachbarn sind für Sie die schlimmsten?
Die keine Rücksicht auf andere nehmen und nur ihre Vorteile sehen. Die nicht verzeihen können. Der Prophet Mohammed sagte: „Einer, dessen Nachbar nicht sicher ist vor seiner Bosheit, der glaubt nicht.“
Wie ist das Verhältnis zu Ihren Nachbarn, unternehmen Sie auch was gemeinsam?
Mit unseren Nachbarn unternehmen wir öfter etwas, z. B. gemeinsam einkaufen und kochen. Oder die Kinder in die Schule bringen. Aber auch im Urlaub Blumen gießen und auf das Auto aufpassen.
Würden Sie eine Flüchtlingsunterkunft in Ihrer Nachbarschaft begrüßen?
Ja, selbstverständlich. Es muss eine gute Mischung geben in der Gesellschaft. Die Vielfalt macht unser Leben bunter und lebendiger.
Welches Thema bieten Sie im Rahmen der VHS-Reihe „Alles Hamburg!“ an?
„Interkulturelle Kommunikation“, es geht in dem Kurs darum, wie verschiedene Kulturen sich gegenseitig bereichern und Vorurteile abgebaut werden können.

 

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Aleksandra Jeszke-Zillmer, Sprachlehrerin

Welche Nachbarn sind Ihnen die liebsten?
Am liebsten sind mir jene Nachbarn, die immer ein Quäntchen Zeit für einen kurzen Schnack haben – stehen bleiben oder vom Fahrrad absteigen und ungefragt, einfach von sich aus, das Neueste berichten.
Welche Nachbarn sind für Sie die schlimmsten?
Die Streithähne und die Radikalinskis – aber Gott sei Dank wohnen sie nicht in meiner Straße. Im Gegenteil – meine Nachbarn sind weltoffen und hilfsbereit.
Wie ist das Verhältnis zu Ihren Nachbarn, unternehmen Sie auch was gemeinsam?
Seit 25 Jahren organisieren wir gemeinsam ein Straßenfest, das zwei Tage dauert – ein Treffpunkt für Familien und Ehemalige, von denen einige wieder in unsere Straße zurückgezogen sind.
Würden Sie eine Flüchtlingsunterkunft in Ihrer Nachbarschaft begrüßen?
In einer unmittelbaren Entfernung befindet sich bereits eine Unterkunft für Flüchtlinge. Wir und viele Nachbarn engagieren uns in der Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe und Freizeitgestaltung.
Welches Thema bieten Sie im Rahmen der VHS-Reihe „Alles Hamburg!“ an?
Ich biete eine 4-stündige Bustour zu Stätten der polnischen Kultur und Geschichte in Hamburg an, mit vielen Begegnungen mit Menschen aus Polen, die hier Fuß gefasst haben.

 

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Huug van’t Hoff, Schriftsteller

Welche Nachbarn sind Ihnen die liebsten?
Alle Menschen sind interessant. Es ist langweilig, nur nette Nachbarn zu haben, da sie wenig zum Nachdenken und Geschichtenspinnen anreizen. Als Autor mag ich die Abwechslung von Charakteren.
Welche Nachbarn sind für Sie die schlimmsten?
Die Tadellosen.
Wie ist das Verhältnis zu Ihren Nachbarn, unternehmen Sie auch was gemeinsam?
Von meiner Seite des Hauses aus gesehen: sehr gut. Fragen Sie meine Nachbarn, ob sie der gleichen Meinung sind. Ja, wir halten gemeinsam das Haus am Leben.
Würden Sie eine Flüchtlingsunterkunft in Ihrer Nachbarschaft begrüßen?
Lieber wäre mir, sie zögen in die freien Wohnungen im Haus, in der Nachbarschaft und der Stadt.
Welches Thema bieten Sie im Rahmen der VHS-Reihe „Alles Hamburg!“ an?
Was ist kulturell möglich in Bergedorf. Ein Kulturoptionen-Stadtrundgang, der für jeden Bezirk Geltung hat.

 

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Anne Chebu, Journalistin

Welche Nachbarn sind Ihnen die liebsten?
Nicht neugierig, grüßen, nehmen Pakete an und machen Hinterhof-Flohmärkte oder -Feste.
Welche Nachbarn sind für Sie die schlimmsten?
Welche mit Suchtproblemen, welche, die ihren Müll tagelang vor der Haustür stehen lassen, Post klauen und superlaut Musik hören und im Hausgang rauchen.
Wie ist das Verhältnis zu Ihren Nachbarn, unternehmen Sie auch was gemeinsam?
Ich hatte auch schon nette Nachbarn, mit denen ich was unternommen habe, meistens beschränkt sich der Kontakt jedoch aufs Grüßen auf dem Flur.
Würden Sie eine Flüchtlingsunterkunft in Ihrer Nachbarschaft begrüßen?
Ich würde es begrüßen, wenn geflüchtete Menschen in ganz normale Wohnungen kommen und nicht zusammengepfercht in einem Haus leben müssten.
Welches Thema bieten Sie im Rahmen der VHS-Reihe „Alles Hamburg!“ an?
Schwarze deutsche Perspektiven, afrodeutsche Geschichte, Alltagsrassismus. Ich habe das Buch „Anleitung zum Schwarzsein“ für schwarze Leserinnen geschrieben, um ein positives Selbstbild zu geben.

Fotos: Frank Ufer Photography, Noel-Richter, Privat (3)

 

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